Ziemlich unbemerkt von der Medienöffentlichkeit in Niedersachsen selbst, tobt in den sozialen Medien der Gedankenaustaustauch über die „verqueeren“ Ideen aus Niedersachsen. In Niedersachsen soll es kein weiteres DAB+ Radio geben.

„Es gibt kein Zurück zur alten eindimensionalen UKW-Welt“. Diesen Tenor vertritt Deutschlandradio-Intendant Stefan Raue, der in einem Gastbetrag in der Frankfurter Allgemeine Zeitung (F.A.Z.) die Ereignisse rund um das terrestrische Digitalradio in Niedersachen kommentierte. Der Niedersächsische Landtag hat die Landesregierung in Hannover dazu aufgefordert, DAB+ zu beenden. Für Raue ist es ein Stör- und Verhinderungsmanöver, das zu spät kommt. „Denn aus meiner Sicht sind die Fortschritte aus der analogen UKW-Welt durchaus sichtbar. Während der Verkauf von UKW-Radiogeräten deutlich abnimmt, legen die Verkaufszahlen für DAB+-Geräte vor allem im Autoradiobereich stark zu“, so Raue.

Die Unterhaltungselektronikbranche sei inzwischen voll auf DAB+ eingestiegen, auch die Premiummarken. „Wer das nicht glaubt, sollte mal durch die Fachmärkte, Autohäuser oder die Internationale Funkausstellung gehen und sich umschauen“. Die Bundesländer und die Landesmedienanstalten förderten zudem in zunehmendem Maße die DAB+-Angebote.

Radio über Mobilfunk, wie von den Niedersachsen präferiert, sei keine Alternative: „Wer bisher jenseits des stabilen häuslichen W-Lan Internetradio nutzt oder besser nutzen will, muss starke Nerven und viel Geduld haben, gerade im mobilen Empfang.“ Auch der neue Standard 5G könne das nicht gerwährleisten: „Angesichts einer groben Schätzung von mehreren hunderttausend neu zu bauenden und zu errichtenden Funkmasten in Deutschland dürfte eine großflächige Abdeckung mit 5G ohnehin ein Projekt von Jahrzehnten sein, wenn es überhaupt durchsetzbar sein wird. Das führt uns zu einem anderen, bisher nur wenig diskutierten Problem. Die Unternehmen, die bei der Auktion Milliarden für die Frequenzen bezahlen und weitere zahlreiche Milliarden in Entwicklung, Installation und in den Betrieb investieren müssen, werden diese Summen auch irgendwann refinanzieren müssen“, so Raue. Die Erfahrung mit der Kabelverbreitung von TV und Hörfunk lehre, dass diese Unternehmen bei beiden Seiten zugreifen: bei den Programmanbietern und bei den Endkunden. „Das bedeutet, dass sich Hörerinnen und Hörer auf wesentlich höhere Kosten für die technische Nutzung der Programme über 5G einstellen müssen. Von direktem und frei zugänglichem Radioangebot, für die öffentlich-rechtlichen Angebote rechtlich geboten, keine Spur.“

Raue beruhigt zudem die Niedersachsen, die sich bereits ein DAB+-Radio gekauft haben und nun befürchten, dass dieses aufgrund des Landtags-Beschlusses schon bald wieder Elektroschrott sein könnte: „Die bundesweit ausgestrahlten DAB+-Programme, ob öffentlich-rechtlich oder privat, wird es natürlich auch in Niedersachsen weiterhin geben, sturmfest und erdverwachsen, wie es im Niedersachsenlied so schön heißt.“

Anm.: Wie schön, dass es das Bundesland Bremen gibt!

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Niedersachsen hinter dem Mond?
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