Die Wohnungsnot ist im und auf dem Land angekommen. Es sind keineswegs nur die Großstädte, wie Berlin, Köln, Hamburg, München oder Frankfurt, wo sich mitunter Hunderte Bewerber vor einer Wohnung, die zu mieten sein soll, drängeln. Und wer bekommt die Wohnung? Natürlich jemand ohne Kinder, ohne Haustiere, ohne Türenknallen und Lärm und mit hohem Einkommen. Nur wer es sich leisten kann, bekommt eine Wohnung.

Ein Drittel der regionalen Wohnungsmärkte leidet unter Wohnungsknappheit, so das Verbändebündnis Wohnungsbau, das sich auf eine Studie des Prognos-Instituts beruft. Generell werde „zu wenig und zu teuer gebaut“, ist sich das Verbändebündnis Wohnungsbau einig. Konkret müssten demnach jährlich mindestens 400.000 neue Wohnungen gebaut werden, die Hälfte davon Mietwohnungen. Das Bündnis forderte dabei den Neubau von 80.000 Sozialwohnungen pro Jahr. Bund, Länder, und Kommunen müssten außerdem Bauland verbilligt bereitstellen und nicht wie oft üblich per Höchstpreisverfahren anbieten. „Die Wohnungsampel steht auf Hell- oder sogar schon Dunkelrot“, zitiert das „Handelsblatt“ die Studie.

Auf mittlere Sicht kommen dabei verödete Innenstädte, Gentrifizierung und unattraktive Leerstände heraus. Und: existenzielle Not für den, der ein Dach über dem Kopf braucht! Der Staat, dessen Aufgabe eine Steuerung des Wohnungsbaus eigentlich ist, hat sich Anfang der 90er Jahre nahezu komplett aus dem sozialen Wohnungsbau zurückgezogen und sogar kommunales Eigentum an Heuschrecken verschachert. Nun haben wir den Salat!

Auf dem Land, über den sogenannten „Speckgürtel“ hinaus, gibt es einen Verdrängungseffekt. Für ganz normale Arbeitnehmer bedeutet das, entweder mehr Miete bezahlen oder einen noch weiteren Weg zur Arbeit in Kauf zu nehmen.

Ich fürchte die bislang recht zaghaften Proteste gegen die Wohnungsnot sind erst der Anfang. Der Staat hat es zugelassen, dass die Forderung nach Enteignungen Sinn macht. Dieses gilt im besonderen für solche Unternehmen wie Vonovia, ein Blackwater-Unternehmen.

Bezahlbares Wohnen ist ein Grundrecht … oder doch nicht?