Zuletzt war es die beliebte Familienserie „Lindenstraße“, für die für 2020 das AUS angekündigt wurde. ARD und ZDF schielen auf die Quote. Auf den ersten Blick geht die Strategie von ARD und ZDF, quantitativ zu überzeugen, wunderbar auf. Im vergangenen Jahr wurde das ZDF mit einem Marktanteil von 13,9 Prozent die Nummer eins in Deutschland, gefolgt von der ARD mit 11,5 Prozent. Erst dahinter kommen RTL mit 11,3 Prozent und Pro Sieben mit 9,5 Prozent.

Hinter den scheinbar großartigen Marktanteilen verbirgt sich auf den zweiten Blick aber ein handfestes Akzeptanzproblem. Denn vor allem alte und sehr alte Menschen lieben das Erste und das Zweite. In der für die Werbewirtschaft wichtigen Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen sieht die Rangliste umgekehrt aus.

Bei weiten Teilen der Jungen und derjenigen, die mitten im Leben stehen, spielen die Öffentlich-Rechtlichen längst nicht mehr die erste Geige. Das ZDF kommt in dieser Altersgruppe nur auf Platz sechs (6,8 Prozent) – abgeschlagen hinter RTL, Pro Sieben, Sat 1, ARD und Vox. Die Strategie, ausschließlich auf Quote zu setzen, ist für das Öffentlich-Rechtliche im Wettbewerb wie das Rennen von Hase und Igel. Am Ende bricht der Hase zusammen und stirbt.

Sinn und Zwecke der „Haushaltsabgabe“ (Rundfunkgebühr) ist es z.B. die Öffentlich-Rechtlichen Anstalten von Quotenzwängen frei zu halten. Eine Verflachung des Angebots ist damit nicht gewollt. Indendanten, die zulassen, dass in ihren Anstalten ausschliesslich die Quote hochgehalten wird, haben ihren Job verfehlt. Allein schon die Proteste um die „quotenbegründete“ Absetzung der Lindenstraße zeigen deutlich, wie weit sich die Anstalten bereits von ihrem Publikum entfernt haben.

Streamingdienste wie Amazon, Netflix & Co. haben sich von diesem sinnlosen Rennen längst verabschiedet. Vor Kurzem formulierte Christoph Schneider, Geschäftsführer von Amazon Video in Deutschland, im Interview mit dem Journalist einen bemerkenswerten Satz: “Wer hat denn am Ende wirklich ein Interesse an Zuschauerzahlen? Fachjournalisten vielleicht und die Werbeindustrie. Wir verkaufen keine Werbung.”

 

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Die ARD und das Publikum gehen getrennte Wege