Leider, nur etwa 200 Fans der „Lindenstraße“ haben am Samstag in Köln gegen die Absetzung der Fernsehserie demonstriert. Einige der Fans waren weit angereist. Schilder mit Aufschriften wie „Ein Sonntag ohne Lindenstraße? Nein!“, „Kult kennt keine Quote“ oder „Fernsehen ohne LiStra: NEIN DANKE“ waren keine Seltenheit. Der Westdeutsche Rundfunk (WDR) macht sich unbeliebt. Er will die Serie nach 35 Jahren einstellen. Die letzte Sendung soll 2020 laufen. Grund dafür seien die gesunkenen Einschaltquoten. Eine WDR-Sprecherin sagte: „Fest steht, dass die Zuschauerzahlen von Jahr zu Jahr abgenommen haben.“ Die Entscheidung der ARD, die Lindenstraße nach fast 35 Jahren nicht fortzuführen, sei in sorgfältiger Abwägung getroffen worden. Aber wie wägt man Zuschauerzahlen gegen ein Kulturgut ab? Der WDR, an sich eine moderne ARD-Anstalt, die von Gebühren finanziert wird, unterwirft sich der Quote. Soll Köln wirklich Medien-Hauptstadt Deutschlands bleiben?

Worüber er sich künftig mit seiner Mutter unterhalten solle, fragt dagegen . „Ich habe die erste Folge gesehen und seitdem nicht eine verpasst“, erzählt Demonstrant Andreas Sartorius (43). Als kürzlich „Lindenstraßen“-Urgestein Hans Beimer starb, habe er Tränen vergossen. Die Serie sei ein Teil seines Lebens, die Einstellung eine Tragödie.

Natürlich hat die „Lindenstrasse“ nicht mehr die Einschaltquoten wie in den Goldenen Zeiten des öffentlich-rechtlichen Fernsehens mit drei Programmen. Aber nach dem „Tatort“ ist die „Lindenstrasse“ sonntags immer noch eine der erfolgreichsten deutschen Fernsehesendungen – und das trotz „Dschungelcamp“ und sripted Doku-Soaps der Privaten.

„Die Serie wird nicht beworben, sie läuft am Vorabend, die Ausgaben sind nicht dramatisch hoch – von daher ist das alles nicht schlecht“, sagte Jörg Albert Flöttl aus Nürnberg. Dazu komme, dass die „Lindenstraße“ mittlerweile zum deutschen Kulturgut gehöre und trotz ihres Unterhaltungscharakters immer wieder gesellschaftlich relevante Themen aufarbeite, sagt Flöttl, der zugleich eine Facebook-Gruppe zur „Lindenstrasse“ betreibt.

Die „Lindenstraße“ war am 8. Dezember 1985 gestartet. Die Außenkulisse der „Lindenstraße“ ist 150 Meter lang und befindet sich auf dem WDR-Gelände in Köln-Bocklemünd. Für die Dreharbeiten stehen ständig rund 100.000 Requisiten zur Verfügung. Hunderte Schauspieler und Zehntausende Komparsen waren bisher zu sehen. Am 2. Februar soll wieder demonstriert werden, dann in München – und mit mehr Zulauf und Aktiven!.

Keine Lindenstrasse: Das geht gar nicht!
Markiert in: