Eine Betriebserlaubnis für ein Heim bzw. eine Pflegeeinrichtung wird von den Aufsichtsbehörden nur erteilt, wenn bestimmte Punkte erfüllt sind  – und da gehört der Personalschlüssel in Abhängigkeit zum Hilfebedarf und der Zahl der Betreuten dazu. Manches Heim rettet sich mit Schonfristen, weil der Zustand für die Bewohner bei Schließung noch schlechter wäre. Falls es in der Nachbarschaft bei etwa preisgleichen Heimen freie Kapazitäten gibt, werden diese belegt. Das ist aber derzeit nur Theorie. Falls betreuungsvertraglich festgelegte Leistungen nicht erbracht werden, dann kann es Kürzung von Seiten der Kostenträger und auch der privaten Zuzahlung geben. Heime können nicht nur geschlossen werden, sondern müssen geschlossen werden. Die Sicherheit, der Pflegeauftrag und die medizinische Versorgung sind bei großem Personalmangel nicht gegeben.

In der Regel versuchen Heime die Lücken über Leasingkräfte zu füllen. Die eigentliche Arbeit verteilt sich dann aber auf immer weniger eigene Mitarbeiter, was natürlich zu einem hohen Krankenstand führt. In der Folge gibt es wieder Personalausfälle. Bewohner, welche relativ aufwendig sind, landen öfter im Krankenhaus, um kurzfristig den Druck aus dem entsprechenden Heim zu nehmen. Beliebt auch auch die Methode den Hilfebedarf umzudefinieren oder umdefinieren zu lassen. Bekannt ist das aus der Pflege. Da wird aus Pflegegrad 3 plötzlich nur noch Pflegegrad 1, weil der Pflegebedürftige gerade mal einen guten Moment während der Begutachtung hatte. Aber auch aus anderen Feldern ist bekannt, dass z.B. aus behandlungsbedürftigen Menschen mit psychischen Erkrankungen plötzlich chronische Alkoholiker werden, für die einfachste Versorgung ausreichen soll.

Bislang werkelt die Politik am Problem des Pflegenotstands nur herum, ohne den Mut das Übel bei der Wurzel zu packen. M.E. muss alles getan werden, um die sozialen Berufe gesellschaftlich angesehener und attraktiver zu machen. Da ist die Vergütung nur ein Problem unter vielen. Es sind im besonderen die Arbeitsrahmenbedingungen, wie nicht planbare Freizeit, kaum noch Teams, miese Entlohung, kaum Unterstützung durch den Betrieb usw., die den Beruf wenig attraktiv machen. Die typische Bewegung einer Pflegedienstleistung ist es morgens vor den zusammengekleisterten Dienstplan zu stehen und abzuchecken, ob alle Dienste „abgedeckt“ sind. Abgedeckt heisst einfach nur, dass wenigstens eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter anwesend ist und den Betrieb notdürftig aufrecht erhält. Im Schuldeutsch heisst „abgedeckt“ schlicht und einfach „4“ mit einem dicken Minus!

Den eigentlich Betroffenen, nämlich den Betreuten und Pflegebedürftigen in den Heimen und ihren gesetzlichen Betreuern, kann man nur raten, macht den Mund auf – rechtzeitig!

Was machen Heime, wenn sie kein Personal mehr finden?