EU-Sommerzeitregelung – worum geht es?

Die Sommerzeitregelung in der EU schreibt vor, dass die Uhren zweimal pro Jahr umgestellt werden, um der Verlagerung der Tageslichtphase Rechnung zu tragen und das verfügbare Tageslicht in einem bestimmten Zeitraum besser zu nutzen.

In den meisten EU-Mitgliedstaaten besteht eine lange Tradition von Sommerzeitregelungen, die größtenteils bis in die Zeit des Ersten und des Zweiten Weltkriegs bzw. bis zur Ölkrise in den 1970er Jahren zurückreichen. Damals sollte durch die Sommerzeitregelung in erster Linie Energie gespart werden. Es spielten aber auch andere Gründe eine Rolle, zum Beispiel die Sicherheit im Straßenverkehr, mehr Freizeitaktivitäten durch längere Tageslichtphasen am Abend, oder einfach die Anpassung der nationalen Gepflogenheiten an die der Nachbarn oder der wichtigsten Handelspartner.

Sommerzeitregelungen auf EU-Ebene bestehen seit den 1980er Jahren, sie unterliegen den Bestimmungen der Richtlinie 2000/84/EG. Die Richtlinie schreibt vor, dass die Mitgliedstaaten am letzten Sonntag im März auf Sommerzeit umstellen und am letzten Sonntag im Oktober wieder zur Winterzeit zurückkehren. Ziel der EU-Rechtsvorschrift zur Sommerzeit war es, die bestehenden unterschiedlichen nationalen Sommerzeitregelungen zu vereinheitlichen und dadurch im Binnenmarkt ein harmonisiertes Vorgehen bei der Zeitumstellung zu gewährleisten.

Parallel zu den EU-Sommerzeitregelungen und unabhängig davon werden die Mitgliedstaaten drei verschiedenen Zeitzonen oder Standardzeiten zugeordnet. Die Entscheidung über die Standardzeit wird als solche nicht von der Sommerzeitregelung oder Änderungen dieser Regelung berührt. (Das Gebiet der EU-Mitgliedstaaten erstreckt sich derzeit über drei Zeitzonen: Westeuropäische Zeit oder mittlere Greenwich-Zeit (MGZ), mitteleuropäische Zeit (MGZ+1), und osteuropäische Zeit (MGZ+2). In acht Mitgliedstaaten der Union (Bulgarien, Estland, Finnland, Griechenland, Lettland, Litauen, Rumänien und Zypern) gilt MGZ+2 als Standardzeit. In 17 Mitgliedstaaten (Belgien, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Italien, Kroatien, Luxemburg, Malta, Niederlande, Österreich, Polen, Schweden, Slowakische Republik, Slowenien, Spanien, Tschechische Republik und Ungarn) gilt MGZ+1 und in drei Mitgliedstaaten (Irland, Portugal und Vereinigtes Königreich) MGZ als Standardzeit.) Die Standardzeit wird im Verhältnis zur mittleren Greenwich-Zeit (MGZ) oder zur koordinierten Weltzeit (UTC) festgelegt.

Es sei auch darauf hingewiesen, dass die Verfügbarkeit von Tageslicht auch von der geografischen Lage der EU-Mitgliedstaaten abhängt. In den nördlichen EU-Mitgliedstaaten variiert das verfügbare Tageslicht relativ stark je nach Jahreszeit; für diese Länder sind dunkle Winter mit wenig Tageslicht und helle Sommer mit kurzen Nächten charakteristisch. In den südlichen EU-Mitgliedstaaten verändert sich die Tag- und Nachtverteilung des Tageslichtes über das Jahr kaum.

Funktioniert die gegenwärtige EU-Sommerzeitregelung?

Im Verlauf der Jahre wurden verschiedene Untersuchungen zur Bewertung der EU-Sommerzeitregelung durchgeführt. Bisher liegen folgende Erkenntnisse vor (Weitere Einzelheiten sind der Liste der wichtigsten Referenzdokumente am Ende zu entnehmen. Die Liste umfasst sowohl offizielle Dokumente und Berichte der Kommission sowie die jüngsten Metastudien mit Analysen der vorliegenden wissenschaftlichen Berichte und Untersuchungen zu diesem Thema):

Binnenmarkt: Zum gegenwärtigen Zeitpunkt sind die Fakten nur in einem Punkt schlüssig: unkoordinierte Zeitumstellungen zwischen den Mitgliedstaaten wären für den Binnenmarkt schädlich, denn sie würden zu höheren Kosten für den grenzüberschreitenden Handel, zu Unannehmlichkeiten im Verkehr, bei der Kommunikation und bei Reisen sowie zu einer geringeren Produktivität bei Gütern und Dienstleistungen führen.

Energie: Obwohl sie eines der wichtigsten Argumente für die Einführung der gegenwärtigen Regelung waren, sind die allgemeinen Energieeinsparungen durch die Sommerzeit nach den Erkenntnissen der Forschung nur marginal. Die Ergebnisse werden auch von Faktoren wie der geografischen Lage beeinflusst.

Gesundheit: Der Zeitumstellung werden positive Effekte durch mehr Möglichkeiten für Freizeitaktivitäten im Freien zugeschrieben. Andererseits legen chronobiologische Forschungsergebnisse nahe, dass die Auswirkungen auf den menschlichen Biorhythmus stärker sein könnten als bisher angenommen. Eindeutige Erkenntnisse über die Gesamtwirkung auf die Gesundheit (d.h. Bilanz der angenommenen positiven und negativen Auswirkungen) liegen noch nicht vor.

Straßenverkehrssicherheit: Es gibt noch keine gesicherten Erkenntnisse zur Wechselwirkung zwischen der Sommerzeitregelung und Unfällen im Straßenverkehr. Grundsätzlich könnte Schlafverlust aufgrund der Vorstellung der Uhren im Frühjahr das Unfallrisiko erhöhen. Gleichzeitig wird angenommen, dass die verlängerte Tageslichtphase an Sommerabenden positive Auswirkungen auf die Sicherheit im Straßenverkehr hat. Allerdings ist es generell schwierig, ein direktes Verhältnis zwischen der Sommerzeitregelung und Unfallzahlen im Vergleich zu anderen Faktoren nachzuweisen.

Landwirtschaft: In der Vergangenheit geäußerte Befürchtungen hinsichtlich der Störung des Biorhythmus der Tiere und der Verschiebung von Melkzeiten aufgrund der Zeitumstellung dürften dank der Einführung neuer Ausrüstungen, künstlicher Beleuchtung und Automatisierungstechnologien weitgehend gegenstandslos geworden sein. Eine weitere Tageslichtstunde im Sommer kann auch von Vorteil sein, da sie zusätzliche Arbeitsstunden für im Freien durchgeführte Tätigkeiten, z. B. Feld- und Erntearbeit, ermöglicht.

Bei der Kommission gehen regelmäßig Kommentare von Bürgern und Bürgerinnen zur Frage der Zeitumstellung ein, in denen oft auf die als gesundheitsschädlich empfundene Wirkung der disruptiven Zeitumstellung im Zusammenhang mit Schlafmangel und anderen negativen Folgen verwiesen wird. Andererseits gibt es auch Befürworter einer Beibehaltung des jetzigen Systems, die von seinen positiven Effekten überzeugt sind.

 

Einige Mitgliedstaaten haben die Frage der Zeitumstellung kürzlich in Schreiben an die Kommission angesprochen. So hat Finnland die Abschaffung der halbjährlichen Zeitumstellung gefordert, während Litauen eine Überprüfung der derzeitigen Regelung verlangte, um regionalen und geografischen Unterschieden Rechnung zu tragen.

Das Europäische Parlament verabschiedete im Februar 2018 eine Entschließung, in der die Kommission aufgefordert wurde, eine gründliche Bewertung der Richtlinie vorzunehmen und gegebenenfalls einen Vorschlag zur Überarbeitung vorzulegen. Gleichzeitig wurde in der Entschließung bekräftigt, „dass auch nach der Abschaffung der halbjährlichen Zeitumstellung unbedingt eine einheitliche EU-Zeitregelung beibehalten werden muss“.

Ausblick

Nach den bisherigen Erkenntnissen sind gemeinsame Regeln in diesem Bereich für das reibungslose Funktionieren des Binnenmarktes von entscheidender Bedeutung. Diese Linie wird auch vom Europäischen Parlament unterstützt, das in seiner Entschließung die Beibehaltung einer einheitlichen EU-Zeitregelung als unbedingt erforderlich bezeichnete.

Abstimmungsformular (nur bis 16.8.2018/23 Uhr)