Zeitlos durch die Zeit

Wirklich erfreulich ist, dass die Menschen es verstanden haben sich auf eine Zeiteinteilung zu verständigen: Sekunden, Minuten, Stunden usw. – Bei den Uhren sind die Menschen noch nicht ganz so weit. Da wird alle halbe Jahre an der Uhr gedreht, Mitteleuropäische Sommerzeit (MESZ), Mitteleuropäische Zeit (MEZ). Einige finden es gut, viele andere nicht. Damit kann man leben. Sinnvoll ist, dass das nicht in Deutschland entschieden wird, denn dann hätten wir ein Zeitchaos in der Mitte Europas.

Nehmen wir mal den Karfreitag als Beispiel. Der Karfreitag ist ein hoher christlicher Feiertag, der ruhig begangen werden sollte. Niemand wird dazu gezwungen, Fröhlich sein ist erlaubt, im Radio wird keine Trauermusik gespielt. Aber Jahrmärkte, laute Feten und Feiern oder Open-Airs sind verboten. Gut so, denn im Grunde reicht es schon, dass die Arbeitswelt immer mehr die Sonntagsruhe verliert. Typisch deutsch ist aber die heiss geliebte Kleinstaaterei. Hier ist von Donnerstag 22 Uhr bis Freitags 22 Uhr Ruhe, ein paar Kilometer weiter im nächsten Bundesland gilt Ruhe ab 1 Uhr am Freitag bis 0 Uhr Samstag und woanders gilt wieder etwas anderes, je nach Bundesland. Da kann man froh sein, dass das nicht die Gemeinden zu entscheiden haben.

Ich meine der Föderalismus ist gut, er ist typisch deutsch und wir kommen damit zurecht. Aber der Föderalismus muss auch Grenzen haben, und zwar immer dann, wenn er lächlich (siehe oben) oder zum Standortnachteil wird. Hier geht es nicht um die Hundesteuer, sondern um die Bildungspolitik und, wie sich gerade wieder zeigt – um die Sicherheit in Deutschland. Es ist ein Trauerspiel, dass die „Sicherheitsorgane“ an den Grenzen der Bundesländer Halt machen müssen und noch nicht einmal auf gleichen Wellen Funken.

Man muss eigentlich dem Kaiser Napoleon dankbar sein. Hätte er nicht eine Zeit in Deutschland verbracht, dann würden wir wahrscheinlich heute noch mit Elle, Klafter, Hund und Fuder messen und Mittag ist, wenn die Kirchturmuhr 12 mal schlägt.