Vom Rhein sein, das heißt: vom Abendland

Hartmann: Ich weiß es nicht. Wahrscheinlich wegen…es ist da etwas mit meinem…Nachweis. Eine meiner Urgroßmütter scheint aus dem Ausland gekommen zu sein.

Harras: Ach da sind Se wohl nich janz arisch. Was?

Hartmann: Man hat das oft in rheinischen Familien. Jedenfalls sind die Papiere nicht aufzufinden.

Harras: Naja. Dann begreif ich natürlich Fräulein Morungen. Dann sind Sie ja ’n Mensch zweiter Ordnung. Da könn‘ Se ja keene Parteikarriere machen.

Hartmann: Nein, Herr General.

Harras: Schrecklich. Diese alten verpanschten rheinischen Familien! … (lacht vor sich hin) Stell’n Se sich doch bloß mal ihre womögliche Ahnenreihe vor: da war ein römischer Feldherr, schwarzer Kerl, der hat einem blonden Mädchen Latein beigebracht. Dann kam ’n jüdischer Gewürzhändler in die Familie. Das war ’n ernster Mensch. Der ’s schon vor der Heirat Christ geworden und hat die katholische Haustradition begründet. Dann kam ’n griechischer Arzt dazu, ’n keltischer Legionär, ’n Graubündner Landskecht, ein schwedischer Reiter…und ein französischer Schauspieler. Ein…böhmischer Musikant. Und das alles hat am Rhein gelebt, gerauft, gesoffen, gesungen und…Kinder jezeugt. Hm? Und der Goethe, der kam aus demselben Topf, und der Beethoven, und der Gutenberg, und der … Matthias Grünewald. Und so weiter, und so weiter. … Das war’n die besten, mein Lieber. Vom Rhein sein, das heißt: vom Abendland. Das ist natürlicher Adel. Das is Rasse. Sei’n Sie stolz drauf, Leutnant Hartmann, und hängen Sie die Papiere Ihrer Großmutter auf den Abtritt!

….

Und jetzt dürfen Sie raten aus welchem bekannten Bühnenstück diese Passage stammt!

Des Teufels General