Effektiver Tankstellen-Boykott macht’s möglich

In den sozialen Netzwerken kocht die Wut über Wucher beim Spritpreise hoch. Eine Facebook-Gruppe, die sich dagegen wehren will, hat schon fast eine halbe Million Mitglieder. Doch der Erfolg der Boykottaufrufe ist fraglich. Es gibt effektivere Lösungen!  

 

„Wir tanken nicht bei Aral, Shell, BP, Esso und Total“ – der Titel der Facebookgruppe ist eindeutig. Seit am Wochenende in den Medien über eine Studie der Bundesnetzagentur berichtet wurde, nach der Benzin in Deutschland teurer ist, als es sein müsste, hat die Gruppe regen Zulauf. Die Macher rufen zum Boykott der großen Tankstellenketten auf. Und zwar nicht etwa an einem Tag oder in einer Woche, sondern generell. „Wir müssen aggressiv vorgehen und ihnen zeigen, dass die Konsumenten die Börse kontrollieren“, heißt es auf der Informationsseite der Facebookgruppe.

 

Wichtig sei dabei „klug“ zu handeln. Boykottaufrufe für einzelne Tage seien sinnlos. Der Sprit werde dann nur einen Tag später getankt. Die einzige Lösung sein ein Totalboykott und das Benzin „anderswo“ zu tanken.

 

Knapp 500.000 Mitglieder hat die Facebookgruppe mittlerweile, aber hat sie tatsächlich auch Macht? Selbst bei den Mitgliedern gehen die Meinungen darüber auseinander. Während Mitglied Patrick Heyer beispielsweise in einem Kommentar aufruft „die Masse muss agieren !!!“, ist Thorsten Hammernick von der Aktion nicht überzeugt: „Die Benzinpreise gehen immer weiter nach oben. Ich dachte wir machen hier irgendwas, aber das ist hier wohl alles nur heiße Luft.“ – Heisse Luft vielleicht nicht, aber eben nicht effektiv!

 

Wie viel Macht haben die Verbraucher?

„Wir merken an unseren Stationen nichts davon“, erklärt Shell-Sprecherin Cornelia Wolber. Boykottaufrufe im Internet gegen Shell habe es bereits häufiger gegeben, eine Auswirkung sei jedoch nie feststellbar gewesen.

Eine Sprecherin der NRW-Verbraucherzentrale sagte der Erfolg solcher Initiativen sei nicht vorhersehbar. Am Beispiel von genveränderten Lebensmitteln habe sich gezeigt, dass die Verbraucher tatsächlich eine gewisse Macht hätten. Das sogenannte Gen-Food verkaufe sich so schlecht, dass viele Unternehmen entsprechende Produkte mittlerweile nicht mehr im Sortiment hätten. Andererseits habe beispielsweise der Boykott der Firma Nokia, nach der Ankündigung der Schließung des Bochumer Werks im Jahr 2008, kaum Auswirkungen auf die Verkaufszahlen gehabt.

 

Tatsächlich also gibt es eine Verbrauchermacht. Ihre Ziele müssen jedoch mit strenger Disziplin, auch wenn es mal kurzfristig mehr kostet, durchgezogen werden.

 

Ein Plan mit Aussicht auf Erfolg

 

Im Gegensatz zu früheren Vorschlägen, die alle auf dem Boykott einzelner Mineralölfirmen basierten, sollte diesmal ein Plan umgesetzt werden, der auf einem simplen Schema und dem Durchhaltewillen der Kunden basiert. Ein Plan mit Aussicht auf Erfolg ist folgender: Alle Autofahrer tanken nur noch bei ARAL – wobei ARAL auch Shell oder Total sein kann. Wichtig ist, dass sich alle auf eine Firma einigen und eisern daran halten. Also, ARAL! Die anderen bleiben unbeachtet, keiner tankt mehr dort, auch wenn der Weg zur ARAL-Tanke weiter sein sollte. Diese Aktion muss notfalls ein oder zwei Wochen durchgehalten werden. Die Folge ist, dass bei allen anderen die Umsätze sofort einbrechen. Es stehen Profite und Renditen und natürlich Posten auf dem Spiel. Leider stehen auch Arbeitsplätze auf dem Spiel, aber das ist der Preis.

 

Nach einiger Zeit werden bei den anderen die Preise sinken. Aber auch dann müssen die Autofahrer bei der Stange bleiben und ggf. einen höheren (ARAL-)Preis zahlen. Wir sagen STOP, wenn der Preis bei den anderen ca. 30 Cent unter dem von ARAL liegt. Dann – ACHTUNG! – tanken wir nur noch bei TOTAL. Total kann den Preis nicht sofort wieder erhöhen, weil es dann den gerade gewonnen Vorteil wieder verliert. Also, alle tanken stur bei TOTAL!!!

 

ARAL wird nicht als einzige Firma Luxusbenzin verkaufen wollen und passt seine Preise auf dem dann erreichten Niveau an. Andere werden, um nicht vom Markt zu verschwinden, ihre ebenfalls Preise senken müssen. Aber: Alle tanken weiter eisern TOTAL!

 

Irgendwann ist dann der Zeitpunkt gekommen (z.B., wenn Esso 25 Cent unter TOTAL liegt!) umzuschwenken!

 

Wie gesagt, die Namen der Anbieter sind austauschbar und hier nur beispielhaft genannt. Zwingend erforderlich ist jedoch eine eiserne Disziplin der Autofahrer und, nun ja, man mag es kaum sagen, eine koordinierende Stelle. Das sollte im Internet möglich sein. Wen der Preis für den Liter Super bei ca. 1, 10 EUR angekommen und E10 ganz verschwunden ist, dann sollte Ruhe an der Tankstellenfront einkehren. Aral, Shell, BP, Esso und Total sind gewarnt, denn es gibt sie, die Verbrauchermacht! Und die kann auch Mineralöl-Giganten vom Markt fegen, wenn es ein muss!

6 Gedanken zu „Effektiver Tankstellen-Boykott macht’s möglich

  1. RF

    MAN SOLLTE NUR EINE EINZIGE MARKE BESTREIKEN. dIESE MÜSSTE DIE PREISE DANN DRASTISCH SENKEN UND DIE ANDEREN MÜSSTEN ZWANGSLÄUFIG MITZIEHEN. DANN FUNKTIONIERT DER WETTBEWERB VIELLEICHT WIEDER…..

  2. Anonymous

    Alles Schön und Gut. Aber der einzige Weg den Mineralölfirmen zu zeigen wie es geht, ist sie mit den eigenen Waffen zu schlagen. Einfach die Firma, die zuerst die Preise wieder erhöht mindestens 1 Woche meiden und bei einer billigeren Tanke einkaufen. Ich wette dann getraut sich keiner mehr die Preis zu erhöhen. Wie gesagt, Preiserhöhungen konsequent und sofort abstrafen. Schön wenn sich jemand bereit erklären wurde die Aktion zu steuern (auch anonym)

  3. Zwischen nach der Geburt & vor dem Tod

    Statt Gauck bekämpfen wir den Spritpreis…
    …oder Tankstellenboykott, aber richtig.

    Mal wieder hat sich eine Gruppe Verbraucher gefunden, denen die ohne ersichtlichen Grund hohen Spritpreise gehörig an die Nieren gehen.

    Und mal wieder hat man den ultimativ-verwegen-inovativen und völlig …

  4. linkundco

    Natürlich haben wir, als Endverbraucher Macht! Aber nur, wenn alle (oder so viel, wie möglich an einem Strang ziehen. Die Stratigie die Du beschreibst hört sich gut an, aber wer koordiniert das Ganze? Daran hapert es es trotz Vernetzung immer noch: Wir brauchen jemanden, der dies stellvertretend für ALLE plant, organisiert und die Information gebündelt an so viele Verbraucher weiterleitet, wie möglich!! Und? Wer macht das?

  5. Szajewski

    Bin auch dabei. Leute wer kann sollte ganz aufs Tanken verzichten bzw. weniger tanken. Es gibt so viele Menschen die nur aus Faulheit mit dem Auto unterwegs sind(Sonntagsbrötchen um die Ecke holen, zur Arbeit 5 km mit dem Auto fahren. Wie wäre es mit dem Fahrad? Ich fahre selber 9 km zur Arbeit mit dem Fahrad.Es geht. Es gibt bestimmt Millionen die es auch machen könnten. Also bitte macht alle mit. En Tag nicht tanken bring nicht viel. Immer weniger Tanken- VIEL.LG Marius

Kommentare sind geschlossen.